Wenn der Defibrillator mit der Drohne kommt

Geschrieben von: admin

2013-10-22

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Ein innovatives Projekt mit Schweizer Beteiligung sieht ein Lebensrettungssystem aus der Luft vor. Im Notfall wird das Gerät per Fallschirm abgeworfen.

Der Schweizer Defibrillator-Hersteller Schiller ist an einem Projekt in Deutschland beteiligt, das unzählige Menschen vor dem plötzlichen Herztod bewahren könnte. Jahr für Jahr sterben Tausende, weil sie nicht rechtzeitig mit Hilfe von gezielten Stromschlägen reanimiert werden. Bis zum Eintreffen des entsprechenden medizinischen Geräts verstreichen wertvolle Minuten.

Das Projekt Defikopter soll dies ändern. Das lebensrettende unbemannte Fluggerät wurde am vergangenen Freitag auf einem Golfplatz in Deutschland vorgestellt. Es handelt sich um eine Mini-Drohne mit acht Rotoren, die eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 70 km/h erreicht und einen Aktionsradius von rund 10 Kilometern hat. Sie navigiert innert weniger Minuten mit GPS-Satellitenortung zu einem bestimmten Punkt und wirft dort einen Defibrillator ab. Das Medizinal-Gerät landet sanft per Fallschirm, schaltet sich automatisch ein und gibt dem Helfer am Boden per Computer-Stimme Anweisungen, wie es zu bedienen ist.

Der Drohnen-Einsatz ist insbesondere für ländliche und schwer zugängliche Gebiete geeignet. Hinfällig würde aber auch das Problem der professionellen Retter, die mit Ambulanzen in Verkehrsstaus steckenbleiben oder mit dem Helikopter nicht starten können.

Smartphone-App erforderlich

Die Idee zum Defikopter stammt vom gemeinnützigen deutschen Verein Definetz, der sich dem Kampf gegen den plötzlichen Herztod widmet. Der Defibrillator wird von der Firma Schiller mit Hauptsitz in Baar ZG zur Verfügung gestellt.

Voraussetzung, damit der Defikopter ausschwärmen kann, ist eine eigens entwickelte Smartphone-App. Über dieses Programm wird der Notruf abgesetzt, worauf das Fluggerät selbstständig startet. Bei herkömmlichen Notrufen könnte aber auch die Rettungszentrale die Drohne losschicken.

Laut deutschen Medienberichten gibt es noch rechtliche Hürden für automatisch fliegende Drohnen. So dürfen die Geräte derzeit nur abheben, wenn sie von einem Menschen überwacht werden. Ein Vertreter des deutschen Drohnen-Herstellers Height Tech gab sich aber zuversichtlich, dass die Vorschriften gelockert werden. So sollten in nicht allzu ferner Zukunft autonome Flüge ausserhalb von Städten möglich sein. Die Sensorik der Drohne sei schon heute so weit, dass sie unerwarteten Hindernissen wie Hochspannungsleitungen, Baukränen und Vögeln ausweichen könne. Dank einer niedrigen Flughöhe unter 150 Metern sollte es abseits von Flughäfen keine Konflikte mit dem kommerziellen Luftverkehr geben.

Neben den technischen und juristischen Hürden sind allerdings die Kosten zu nennen, die gegen eine schnelle flächendeckende Anschaffung sprechen. So beträgt der Preis des fliegenden Lebensretters 20’000 Euro.

Erste Hilfe ist entscheidend!

Deutsche Rettungsprofis begrüssten die Initiative, warnten aber auch vor übertriebenen Hoffnungen. Die Drohne werde nicht so viele Menschenleben retten können, wie durch einfache, jedoch bisher nicht umgesetzte Massnahmen möglich wäre. So sollten etwa mehr externe Defibrillatoren am Boden stationiert werden und leicht auffindbar sein. Ausserdem sollten Helfer in Notsituationen richtig reagieren und unbedingt Wiederbelebungsmassnahmen (Herzmassage) treffen.

Beim plötzlichen Herztod schlägt das Herz nicht mehr richtig, sondern flimmert meistens unkontrolliert. In der Fachsprache wird dies als Fibrillieren bezeichnet. Mithilfe eines lebensrettenden Schocks soll das Herz wieder in den richtigen Takt gebracht werden. Dazu sendet der Defibrillator einen elektrischen Impuls aus.

http://www.20min.ch/digital/news/story/Wenn-der-Defibrillator-mit-der-Drohne-kommt-17055369

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